Erbschaftssteuer für Superreiche: Die Juso-Initiative kurz erklärt

Erbschaftssteuer für Superreiche: Die Juso-Initiative kurz erklärt

Reiche Leute bei einer Veranstaltung in St. Moritz. Keystone/Christian Beutler

Eine Erbschaftssteuer für den großen Reichtum – für das Klima. Das wollen die Initiatoren. Bund und Gegner befürchten Einbußen und Einschnitte für die Schweizer Wirtschaft. Alles, was Sie über die Erbschaftssteuerinitiative wissen müssen.

Dieser Inhalt wurde am 6. Oktober 2025 um 06:00 Uhr veröffentlicht

Die Erbschaftssteuer erscheint nicht im Titel. Der vollständige Name der Initiative lautet „Für eine soziale KlimapolitikExterner Link – gerecht finanziert aus Steuern (Initiative Zukunft)“. Darüber wird das Schweizer Stimmvolk am 30. November abstimmen.

Woher kam die Erbschaftssteuer-Initiative?

Aber wer darüber redet, redet meist über die Erbschaftssteuerinitiative. Denn er will eine Erbschaftssteuer für sehr hohe Vermögen einführen.

Konkret soll eine Steuer von 50 % erhoben werden, wenn jemand seinen Nachkommen mehr als 50 Millionen Franken vermacht oder schenkt. Auf den Betrag, der diese 50 Millionen übersteigt, wird die Steuer fällig. Die daraus resultierenden Einnahmen müssten zur Bekämpfung des Klimawandels verwendet werden.

Damit vereint die Initiative zwei Anliegen: eine höhere Besteuerung der Reichsten einerseits und Maßnahmen gegen den Klimawandel andererseits.

Diese Bedenken haben ihre Wurzeln in zwei globalen Trends: „Besteuern Sie die Reichen“ einerseits und Klimagerechtigkeit andererseits. Beispielsweise beschlossen die G-20-Staaten im Jahr 2024, sich für höhere Steuern für Superreiche einzusetzen.

Erbschaftssteuer Juso-Initiative

Globaler Trend: Demonstration zur Besteuerung der Superreichen in Deutschland 2022. Keystone

Diskutiert wird eine Steuer von 2 % auf MilliardenvermögenExterner Link. Das Konzept der Klimagerechtigkeit („Carbon Inequality“) Externer Link wird seit einiger Zeit auch auf globaler Ebene thematisiert.

Erbschaftssteuern machen in den meisten Ländern mittlerweile einen kleinen Teil der Steuereinnahmen aus, wie diese Grafik zeigt:

Wer ist betroffen?

Der Bundesrat schätzt, dass rund 2500 Menschen in der Schweiz über ein Vermögen von mehr als 50 Millionen Franken verfügen. Zusammen besitzt diese Personengruppe rund 500 Milliarden Franken. Gemäss einer Studie der Universität LausanneExterner Link wären von der Initiative vor allem rund 300 Haushalte mit einem Vermögen von mehr als 200 Millionen Franken betroffen.

Laut dem Wirtschaftsmagazin BalanceExterner Link leben derzeit 152 Milliardäre in der Schweiz. Damit hat es die höchste Milliardärsdichte der Welt: 17 Milliardäre pro Million Einwohner.

Erbschaftssteuer in der Schweiz: Was gilt bisher?

Was die Erbschaftssteuer in der Schweiz betrifft, ist die Situation äußerst uneinheitlich. Derzeit liegt die Erbschaftssteuer in der Schweiz in der Zuständigkeit der Kantone. Es gibt keine Bundeserbschaftssteuer. Daher gibt es mehrere Dutzend Steuermöglichkeiten. In einigen Kantonen erheben auch die Gemeinden die entsprechende Steuer.

Direkte Nachkommen sind in den meisten Kantonen von der Steuer befreit bzw. es gelten hohe Freigrenzen. Ausnahmen bilden die Kantone Appenzell, Innerrhoden, Waadt und Neuenburg.

In den Kantonen werden Erbschaften mit einer relativ tiefen Steuer besteuert, die im Durchschnitt rund 1,6 % beträgt. Das war nicht immer so. „Vermögenswerte und Erbschaften wurden in den letzten drei Jahrzehnten erheblich steuerlich entlastet“, heißt es in einer Studie der Universität Lausanne.

Bereits 2015 war eine eidgenössische Erbschaftssteuer in Millionenhöhe im Gespräch. Damals war das Geld zur Finanzierung der AHV gedacht. Die Idee kam von der EVP, der SP und den Grünen. Allerdings lehnte das Volk diese Erbschaftssteuerinitiative mit 71 % mit überwältigender Mehrheit ab und alle Schichten sagten Nein.

Für Auslandschweizer und deren Nachkommen gilt übrigens: Wer von einem Erblasser im Ausland in der Schweiz eine Immobilie als Erbschaft erhält, ist grundsätzlich nicht zur Zahlung der Erbschaftssteuer verpflichtet.

Wie besteuert die Schweiz vermögende Vermögen?

Noch inkonsistenter, denn die VermögensteuerExterner Link ist ein Thema, das sowohl Kantone als auch Gemeinden betrifft. Die Bundesregierung bleibt am Rande.

Die Erbschaftssteuer fällt nur an, wenn das Vermögen einen festgelegten Freibetrag übersteigt. In manchen Kantonen beträgt sie beispielsweise 100’000 Franken, in anderen 1 Million Franken. Damit ist die Schweizer Vermögensteuer (weltweit einzigartig) eine echte „Reichensteuer“.

Die Vermögenssteuersätze sind in den meisten Kantonen progressiv, das heißt: je grösser das Vermögen, desto höher der Steuersatz. Das bedeutet, dass die reichsten 10 % der Menschen etwa 86 % der Vermögenssteuern zahlen.

Diese Tabelle zeigt, wie unterschiedlich die Struktur der Vermögenssteuer in den 26 Schweizer Kantonen ist:

Erbschaftssteuer Juso-Initiative

20 Millionen Franken Steuern im Jahr: Milliardär André Hoffmann. Keystone / Alessandro Della Valle

Im Rahmen einer Studie haben ETH-Ökonomen die Steuerlast für Roche-Erben André Hoffmann berechnet. Sein Vermögen wird auf rund 2,6 Milliarden Franken geschätzt. Gemäss der Berechnung des ETH-ModellsExterner Link zahlt Hoffmann im Kanton Waadt jährlich rund 20 Millionen Franken Steuern.

Deshalb gibt es in der Schweiz eine „Mindeststeuer für Reiche“, schreibt das Zentrum für Wirtschaftsforschung der ETH. Die von der Initiative anvisierte Klasse der Superreichen trägt bereits zu den Steuereinnahmen bei. Im Jahr 2022 flossen 9 Milliarden Franken Vermögensteuer an Kantone und Gemeinden, ein Zehntel ihrer Gesamteinnahmen.

Allerdings gilt die Schweiz als Steueroase für Reiche. Dies ist auf die tiefen Steuersätze in jedem Kanton und die Pauschalbesteuerung einiger Tausend zugezogener Superreicher zurückzuführen. Sie profitieren von einem festen Budgetsatz auf ihr hohes Vermögen.

Wie argumentieren die Befürworter?

Da die Reichen laut Sozialistischer Jugend durch ihren Lebensstil mehr CO2 produzieren, sollten sie mehr für den Klimaschutz bezahlen. „Um die ambitionierten Klimaziele für 2050 zu erreichen, wären in der Schweiz jedes Jahr Investitionen von rund zwölf Milliarden Franken nötig“, heißt es.

Juso-Einkommensteuerinitiative

Aktion zur Juso-Initiative zur Erbschaftssteuer am Bahnhof Bern. 本人提供

„Die Superreichen haben ihren Reichtum durch die Ausbeutung von Mensch und Natur verdient. Es ist an der Zeit, dass sie für ihre Klimaverbrechen bezahlen“, sagt Nathalie Ruoss, Vizepräsidentin von JUSO Schweiz. Konkret sollen mit dem Geld nachhaltige Projekte in den Bereichen Leben, Arbeiten und öffentliche Dienstleistungen umgesetzt werden.

Die Initiatoren rechnen mit Mehreinnahmen von 6 Milliarden Franken, wenn die Erbschaftssteuerinitiative angenommen wird.

Wie argumentieren die Gegner der Erbschaftssteuerinitiative?

Gegner, darunter auch die Bundesregierung, kalkulieren anders. Nach Schätzungen der Universität Lausanne würden bei einer Annahme der Juso-Initiative zwischen 2,5 und 5 Milliarden Franken zusätzliche Steuern entstehen.

Aber nur, wenn niemand weggeht. Die Opposition setzt darauf, dass Superreiche und Geschäftsleute ihren Wohnsitz ins Ausland verlegen können. „Unterm Strich könnte die Initiative zu Einnahmeneinbußen führen“, warnt die Bundesregierung.

Er schätzt, dass bei Annahme der Initiative zwischen 85 und 98 Prozent der Steuerbemessungsgrundlage dieser Menschen wegfallen würden, also zwischen 2,8 und 3,7 Milliarden Franken.

Die neue Erbschafts- und Schenkungssteuer würde dagegen nur zwischen 100 und 650 Millionen Franken betragen.

Auch prominente Betroffene argumentieren damit, dass ein Großteil ihres Vermögens in ihren Unternehmen stecke. Diese müssten verkauft werden, um die Steuer bezahlen zu können, warnen sie.

Sie betonen zudem, dass vermögende Unternehmer Arbeitsplätze schaffen und mit Innovationen und Investitionen den Wirtschaftsstandort Schweiz wettbewerbsfähig halten.

Ist damit alles klar?

Nicht ganz. Eine im Text der Initiative enthaltene Rückwirkungsklausel ist umstritten. Könnten Superreiche strafrechtlich verfolgt werden, auch wenn sie die Schweiz bereits verlassen haben? Darüber werden voraussichtlich die Gerichte entscheiden müssen, sobald die Initiative angenommen wird.

Klar ist: Der Gesetzentwurf fordert Maßnahmen „zur Verhinderung von Steuerhinterziehung, insbesondere bei Umzügen“. Gleichzeitig wird mit einer Rückwirkungsklausel festgelegt, dass die Steuer sofort nach einem „Ja“ geschuldet wird.

Auch deshalb sorgte die Initiative schon lange vor dem Wahlkampf für große Nervosität in den betroffenen Kreisen.

Herausgegeben von Samuel Jaberg.

Mehr Erbschaftssteuern: Wie beurteilen Sie den Beitrag der Superreichen zur Gesellschaft?

Am 30. November stimmt die Schweiz über die Erbschaftssteuerinitiative ab.

Siehe Diskussion

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