Von der Kürzung des Krankenstands bis zur Erhöhung der Vermögensteuer: Die große Koalition stellt eine wichtige Reform vor

Von der Kürzung des Krankenstands bis zur Erhöhung der Vermögensteuer: Die große Koalition stellt eine wichtige Reform vor

Von, Sick-Note Veröffentlicht am 05.07.2026 um 20:55 | Redaktion boerse-global.de

Deutschlands große Koalition beschließt radikale Reformen: Krankenscheinpflicht ab dem ersten Tag, jährliche Steuersenkungen um 10 Milliarden Euro, höhere Spitzensteuersätze und strengere Sozialsanktionen ab 2027.







Von der Kürzung des Krankenstands bis zur Erhöhung der Vermögensteuer: Große Koalition stellt große Reform vor Illustration erstellt mit KI übermittelt von boerse-global.de

Die große Koalition aus CDU, CSU und SPD hat Anfang Juli ein umfassendes Reformpaket zu Steuern, Arbeitsrecht und Sozialversicherung durchgesetzt; Die hitzigste Debatte drehte sich um eine neue Regelung, nach der Arbeitnehmer ab dem ersten Tag ihrer Krankmeldung ein ärztliches Attest vorlegen müssen. Die Maßnahmen werden ab 2027 schrittweise in Kraft treten.

Die während der Pandemie eingeführten und dann als Option beibehaltenen telefonischen Krankschreibungen für häufige Beschwerden werden gänzlich abgeschafft. Ab sofort muss jeder, der nicht arbeiten kann, am ersten Tag ein ärztliches Attest einholen. Eine YouGov-Umfrage ergab, dass 59 Prozent der Befragten gegen die Änderung sind.

Die Reformen gehen jedoch weit über den Krankenstand hinaus. Am 2. Juli einigte sich der Koalitionsausschuss auf ein Haushaltsentlastungspaket im Umfang von rund zehn Milliarden Euro pro Jahr. Familien mit zwei Kindern und einem Bruttomonatseinkommen von 3.200 Euro pro Elternteil sparen ab 2028 rund 642 Euro pro Jahr. Das Kindergeld erhöht sich schrittweise auf bis zu 272 Euro pro Monat.

Um die Entlastung zu finanzieren, verschärft die Regierung die sogenannte Vermögenssteuer. Bei einem Jahreseinkommen über 250.000 Euro erhöht sich der Satz auf 45 Prozent und bei einem Jahreseinkommen über 280.000 Euro auf 47 Prozent. Zu den zusätzlichen Steuern gehören eine neue Plastiksteuer, eine 20-prozentige Erhöhung der Tabak- und Alkoholsteuern sowie eine für 2028 angekündigte Zuckersteuer.

Kritik kam sowohl aus der Opposition als auch aus gesellschaftlichen Verbänden. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) weist darauf hin, dass rund 4,58 Millionen Steuerzahler aufgrund zu geringer Einkommen keine Einkommensteuer mehr zahlen, sie also nichts von den Kürzungen haben. Experten argumentieren zudem, dass der Spitzensteuersatz noch zu früh in Kraft trete und die Staffelverschiebung noch nicht vollständig neutralisiert sei.

Über die steuerlichen Änderungen hinaus werden mit dem Paket mehrere Bestimmungen des Arbeitsrechts überarbeitet:

Befristete Verträge: Arbeitgeber können nun befristete Verträge ohne besonderen Grund für bis zu 48 Monate nutzen, eine befristete Regelung, die bis 2030 in Kraft bleibt. Bürokratie: Ab Januar 2027 wird die Schriftformpflicht für befristete Verträge abgeschafft. Viele Meldepflichten werden abgeschafft und der Datenschutz auf das EU-Minimum reduziert. Jobwechsel: Abfindungen werden steuerlich begünstigt, wenn Arbeitnehmer schnell einen neuen Job finden. Sonn- und Feiertagszuschläge: Steuerfreie Zuschläge für Arbeit an Sonn- und Feiertagen sind ab einem Stundenlohn von bis zu 75 Euro möglich.

Unterdessen wurde am 1. Juli das umstrittene Bürgergeld durch eine neue Grundsicherung für Arbeitssuchende ersetzt. Die monatliche Regelrate für Singles beträgt weiterhin 563 Euro, allerdings wurden die Strafen verschärft. Wer Bewerbungen ablehnt oder eine Ausbildungsmaßnahme abbricht, muss mit einer sofortigen Kürzung um 30 Prozent für drei Monate rechnen. Wiederholtes Nichteinhalten von Terminen kann zum vollständigen Verlust der Leistungen führen.

Bundeskanzler Friedrich Merz verteidigte die härtere Linie auf einem Parteitag am 4. Juli in Düsseldorf und kündigte noch in diesem Monat einen weiteren Aktionsplan zur Bekämpfung von Sozialmissbrauch an. Bei ordnungsgemäßer Umsetzung, sagte er, stehen Deutschland „sehr gute Jahre bevor“.

Im Bereich Wohnungsbau einigte sich die Koalition darauf, die Verstaatlichung privater Wohnungsunternehmen zu verbieten. Um den Marktdruck zu mildern, wird eine neue staatliche Immobiliengesellschaft gegründet. Energiepolitische Entscheidungen bleiben offen: Das Kraftwerksgesetz und die Regelungen zur Gebäudemodernisierung stecken noch im parlamentarischen Verfahren fest.





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