14.11.2023 – Die Besteuerung von Land statt Kapital könnte laut einer neuen Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich in Gesellschaften verringern. Ein Team von Wissenschaftlern zeigt, dass in einer Welt wachsender Ungleichheit die Verlagerung der Steuerlast von Kapitalsteuern auf Grundsteuern das Gleichgewicht wiederherstellen und das Wirtschaftswachstum fördern könnte. Vor allem Menschen mit geringem oder keinem Vermögen könnten von Grundsteuern profitieren, etwa in Form eines weniger schnellen Anstiegs der Wohnkosten. Die wenigen Kommunen, die bisher Grundmietsteuern eingeführt haben, nutzten diese neben anderen Infrastrukturinvestitionen auch zur Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs.
Obwohl Land ein entscheidender Faktor für die Vermögensbildung ist, fehlt es in der aktuellen Forschung zur optimalen Besteuerung noch weitgehend. (Foto: Paul Brennan / Pixabay)
„Natürlich gehen die Meinungen zur Verteilungsgerechtigkeit stark auseinander. Doch auch wenn man der Idee einer ungleichen Vermögensverteilung etwas ablehnend gegenübersteht, ist die Besteuerung von Landeinkommen eine sehr gute Option für die Regierungspolitik. Die Besteuerung von Land und gleichzeitig die Senkung der Kapitalsteuern können das Wohlbefinden verbessern und gleichzeitig die wirtschaftliche Effizienz und Nachhaltigkeit steigern“, sagt Ottmar Edenhofer, Co-Autor und Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) sowie des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change.
Die Autoren der Studie untersuchten, wie Regierungen den „Portfolioeffekt“ nutzen können, um die Vermögensungleichheit zu verringern. Dieser Effekt, der 1977 von Martin Feldstein entwickelt wurde, zeigt, dass die Besteuerung von Landrenten die Investitionen in produktives Kapital steigert. Bei der Grundertragssteuer leiten Investoren Finanzströme vom Land in Kapitalanlagen um und erhöhen so den Kapitalstock. Die Nachfrage nach Grundstücken sinkt, dies wirkt sich jedoch nur auf die Grundstückspreise und nicht auf die verfügbare Menge aus. Daher wächst die Wirtschaft.
Obwohl sich gezeigt hat, dass Land ein entscheidender Faktor für die Vermögensbildung ist, fehlt es in der aktuellen Forschung zur optimalen Besteuerung noch weitgehend. Das neue Papier füllt diese Lücke, indem es die optimale Umverteilungsbesteuerung in einem Modell untersucht, bei dem Land nach Kapital die zweite Anlageklasse für Investitionen ist.
„Menschen mit geringem oder keinem Vermögen würden in dreierlei Hinsicht von Grundsteuern profitieren“
„Wir stellen erstmals die Frage, ob der Portfolioeffekt der Besteuerung von Grundstücksmieten auch gut für die Verteilungsgerechtigkeit ist“, erklärt Erstautor Max Franks vom PIK. „Ein Aspekt ist, dass Grundmietsteuern die Spekulation mit Immobilien reduzieren, was den rasanten Anstieg der Immobilienpreise bremsen kann. Menschen mit geringem oder keinem Vermögen würden von Grundsteuern in dreierlei Hinsicht profitieren: Die Wohnkosten steigen weniger schnell und das Horten von Grundstücken wird weniger attraktiv; potenziell höhere Steuereinnahmen aus der Grundsteuer können für Transfers an arme Haushalte verwendet werden; und die Investitionen schaffen Arbeitsplätze und erhöhen möglicherweise die Löhne.“
Bei der Umsetzung der Grundmietsteuer bleiben praktische Herausforderungen bestehen: Insbesondere die politische Ökonomie der Entschädigung für Verlierer einer Grundmietsteuer, wie z. B. Hausbesitzer aus der Mittelschicht, muss noch untersucht werden. Allerdings gibt es bereits Gemeinden, beispielsweise in Pennsylvania und Singapur, in denen öffentliche Verkehrsmittel und andere Arten der Infrastruktur erfolgreich über Grundsteuern finanziert wurden. Die Autoren empfehlen, diese Beispiele aus der Praxis genauer zu untersuchen. Sie enthalten wichtige Lehren zur Verringerung der Vermögensungleichheit, aber auch im Hinblick auf die Eindämmung des Klimawandels. Durch den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs können beispielsweise die CO2-Emissionen im Verkehrssektor reduziert werden.
Artikel:
Max Franks, Ottmar Edenhofer (2023): Optimale Umverteilungssteuern auf Vermögen, wenn Vermögen mehr als nur Kapital ist. FinanzArchiv. (DOI: 10.1628/fa-2023-0011)
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