Wahl des neuen Gemeinderats der fusionierten Gemeinde
Solothurner Zeitung
Wenn Gemeinden fusionieren müssen, wird oft behauptet, dass durch den Zusammenschluss eine Win-Win-Situation entsteht, d. h. beide Parteien gewinnen. Dass eine Fusion aber auch Verlierer hinterlässt, musste Markus Bracher, Stadtrat der Freien Wähler von Madiswil, jedoch am eigenen Leib erfahren: Da den beiden angeschlossenen Gemeinden im neuen Gemeinderat von Madiswil jeweils ein Sitz zusteht, musste er den Sitz an die Gemeinderätin von Leimiswil, Annemarie Käser, abgeben und schied aus, obwohl er 100 Stimmen mehr als sie erhielt.
Es steht viel auf dem Spiel
„Wir wussten, dass für Annemarie Käser und mich viel auf dem Spiel stand“, erklärt der Ausgeschlossene, doch unsere Hoffnungen erfüllten sich nicht: Die Freien Wähler steigerten ihren Stimmenanteil von 22,0 auf 25,7 Prozent, waren aber noch weit von einem zweiten Sitz entfernt.
SVP-Präsident Ernst Rolli ist nicht der Verlierer der Fusion, sondern der vermiedene Gewinner. Seine Partei musste einen Sitz abgeben, weil sie rund 10 Prozent der Stimmen verlor. Ernst Rolli erreichte den dritten Platz auf der SVP-Liste, musste aber dem Gemeindepräsidenten von Kleindietwil, Beat Fuhrer, den Vortritt lassen. Auch Christine Brügger erhielt mehr Stimmen als die Vorsitzende der UDC-Liste. Traurig über dieses Ergebnis wollte Rolli allerdings nicht sein. „Das Ergebnis entspricht unseren Erwartungen, so ist es.“
SP kehrt ins Rathaus zurück
Die SP kämpfte darum, ihren Platz im Gemeinderat zurückzugewinnen, nachdem sie vor vier Jahren der Reduzierung des Gemeinderats von neun auf sieben Sitze zum Opfer gefallen war. Es gelang ihm, seinen Stimmenanteil von 8,0 auf 14,9 Prozent zu steigern, was für den dritten Platz und sogar für eine volle Amtszeit reichte. Sektionspräsidentin Maja Eigenmann Fisch zeigte sich mit dem Ergebnis mehr als zufrieden.
Auch die FDP konnte leicht von 13,0 auf 14,1 Prozent zulegen. Für eine volle Amtszeit reichte das zwar nicht, aber zur Verteidigung des Sitzes von Käthy Rytz. Sektionsvorsitzender Andreas Oehler lobt seine Leistung für den Sitzerhalt, da die FDP gegen den Gegenwind ohne lokal verwurzelte Kandidaten kämpft.
Frauen sind die Gewinner
Zu den Gewinnern im Gemeinderat Madiswil gehören die Frauen: Gemeinsam mit der bereits gewählten Gemeindepräsidentin Vreni Flückiger stellen sie nun die Mehrheit. Im Vergleich zu vor vier Jahren ist die Wahlbeteiligung stark gesunken: von 50,3 auf 35,7 Prozent.