Gewerbesteuersätze in Deutschland

Gewerbesteuersätze in Deutschland

In Deutschland zahlen Unternehmen einen durchschnittlichen Steuersatz von fast 30 Prozent auf ihre Jahreseinnahmen. Allerdings kann Ihre Steuerlast je nach Standort sehr unterschiedlich ausfallen: Nur etwa die Hälfte davon wird über den Pauschalsteuersatz von 15 Prozent erhoben, der mit einem Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent belegt ist. Die verbleibende Körperschaftsteuerbelastung hängt von der Gewerbesteuer der 10.786 Gemeinden ab, die ihre Steuersätze mit einem Mindestsatz von 7 Prozent autonom festlegen können. Diese Struktur hat entscheidende Konsequenzen für die Attraktivität Deutschlands für Unternehmensinvestitionen sowie für die Stabilität der kommunalen Einnahmen.

Im Allgemeinen kann der lokale Steuerwettbewerb von Vorteil sein, da er Einzelpersonen und Unternehmen die Möglichkeit gibt, attraktivere Kombinationen aus Steuersätzen und öffentlichen Gütern und Dienstleistungen zu wählen. Die Vorteile eines solchen lokalen Wettbewerbs nehmen mit der Autonomie der Kommunen bei der Entscheidung über relevante Standortfaktoren zu. In Deutschland kann dies beispielsweise Mittel umfassen, die für die lokale Verwaltung, Genehmigungsverfahren und die lokale Infrastruktur ausgegeben werden, während viele andere Faktoren auf Landes- oder Bundesebene angesiedelt sind. In Ländern mit einer föderalen Organisation wie Deutschland, Spanien oder der Schweiz kann der Steuerwettbewerb verhindern, dass die nationale Steuerpolitik weniger attraktiv wird, als wenn sie ausschließlich auf der Ebene der Zentralregierung organisiert wäre.

In der Praxis wird der lokale Steuerwettbewerb durch Gewerbesteuersätze durch kommunale Finanzausgleichs- und kommunale Bindungsprobleme geschwächt. Empirische Untersuchungen zeigen, dass Kommunen erhebliche Schwierigkeiten haben, sich glaubwürdig für niedrige Gewerbesteuersätze zu engagieren. Wenn Unternehmen größere Immobilieninvestitionen tätigen, reagieren die Kommunen mit einer Erhöhung des Gewerbesteuersatzes um bis zu 24 Prozent. Dies erschwert Unternehmensinvestitionen in Immobilien, beispielsweise Kraftwerke, da die Unternehmen erwartete Steuererhöhungen in ihre Investitionskalkulationen einbeziehen.

Im Vergleich zur Grundsteuer oder dem kommunalen Anteil an den kommunalen Umsatz- und Einkommensteuereinnahmen kann die Gewerbesteuer eine instabile Einnahmequelle sein, insbesondere für kleinere Kommunen, deren lokale Wirtschaftstätigkeit auf wenige Betriebe konzentriert ist. Bedenken hinsichtlich der Stabilität der Einkommen kleinerer Gemeinden haben in den letzten Jahren zu Einschränkungen bei steuerlichen Verlustrückträgen geführt. Derzeit können Unternehmen in Deutschland laufende Verluste, die sich aus den Gewinnen der letzten beiden Jahre ergeben, nur mit der Körperschaftsteuer, nicht aber mit der Gewerbesteuer ausgleichen. Diese Beschränkung schreckt Investitionen in Projekte mit stark schwankenden Gewinnen und Verlusten, wie zum Beispiel Start-ups oder forschungs- und entwicklungsintensive Unternehmen, unverhältnismäßig ab.

Der durchschnittliche Gewerbesteuersatz beträgt 12,89 Prozent und reicht vom Mindestsatz von 7 Prozent in Langenwolschendorf (Thüringen) bis zu 22,75 Prozent in Inden (Nordrhein-Westfalen). Der bevölkerungsgewichtete Durchschnittssatz beträgt 14,33 Prozent und liegt damit etwa 1,5 Prozentpunkte über dem einfachen Durchschnitt, da größere Gemeinden tendenziell höhere Gewerbesteuersätze erheben.

Die 10 größten deutschen Städte: Berlin (14,35 Prozent), Hamburg (16,4 Prozent), München (17,15 Prozent), Köln (16,625 Prozent), Frankfurt am Main (16,1 Prozent), Stuttgart (14,7 Prozent), Düsseldorf (15,4 Prozent), Leipzig (16,1 Prozent), Dortmund (16,98 Prozent) und Essen (16,8 Prozent) erheben überdurchschnittliche Gewerbesteuersätze. Höhere Steuersätze in diesen Großstädten könnten die Vorteile der Zusammenlegung von Unternehmen in Ballungsräumen widerspiegeln, ihre geografische Mobilität einschränken und es den Kommunen somit ermöglichen, relativ höhere Steuern zu erheben. Allerdings konkurrieren deutsche Großstädte bei der Festlegung ihrer Gewerbesteuersätze sowohl mit kleineren Umlandgemeinden als auch mit anderen Großstädten.

Auch die Steuersätze unterscheiden sich regional von Bundesstaat zu Bundesstaat. Die Stadtstaaten Bremen und Hamburg sowie die Kommunen in Nordrhein-Westfalen und im Saarland weisen tendenziell die höchsten Gewerbesteuersätze auf, während die niedrigsten Sätze in den Kommunen in Bayern und Brandenburg zu verzeichnen sind. Kommunen können insbesondere im Vergleich zu Kommunen mit ähnlichen Standortfaktoren niedrigere Gewerbesteuersätze nutzen, um Unternehmensinvestitionen anzulocken.

Tabelle 1. Die 20 höchsten Gewerbesteuersätze (Gebiete über 100.000 Einwohner) Quelle: Statistisches Bundesamt, „Tatsächliche Steuerhebesätze 2022 – Ausgabe 2022“ Tabelle 2. Die 20 niedrigsten Gewerbesteuersätze (Gebiete über 100.000 Einwohner) Quelle: Statistisches Bundesamt, „Tatsächliche Steuerhebesätze 2022 – Ausgabe 2022“ Tabelle 3. Die 10 größte Städte Quelle: Statistisches Bundesamt, „Tatsächliche Steuerhebesätze 2022 – Ausgabe 2022“ Diesen Artikel teilen

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